Energiewende vor Ort

Wie kann die Energiewende gelingen?

Jürgen Trittin, Doreen Fragel und Marie Kollenrott haben sich am 13. April im Göttinger ‚Grünen Salon‘ ausführlich mit dieser Frage beschäftigt – und Antworten gefunden; hier zu sehen und zu hören unter diesem Link:

Grüner Salon „Wie kann die Energiewende gelingen?“ – Jürgen Trittin, Doreen Fragel, Marie Kollenrott

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Standpunkt Windenergie in Adelebsen

Alternative Energieversorgung aus Wind, Solar, und Wasser bedeutet die wirtschaftliche Unabhängigkeit Deutschlands von Lieferungen fossiler Energie aus dem Ausland. Damit erreichen wir eine politische Distanz zu Staaten mit militärischem Konfliktpotential und zu Autokratien mit staatlichen Repressionen gegen die eigene Bevölkerung.

Nach unserer Ansicht sollte der Umfang und Flächenbedarf zur Erzeugung von Wind- und Solarenergie im Bereich der Gemeinde Adelebsen zumindest für den Strombedarf aller lokalen Haushalte und des hier ansässigen Gewerbes decken. Übermäßige Stromerzeugung und Export über weite Strecken in andere Regionen sollte schon aufgrund des Landschaftsverbaus vermieden werden.

Anlagen zur Erzeugung alternativer Energien sollten möglichst von lokalen Unternehmen oder Genossenschaften betrieben werden, sodass entsprechende Gewerbesteuern auch der Gemeinde am Ort der Produktion zugutekommen.

Wir fordern die Beteiligung der Bürger an der Wertschöpfung durch alternative Energien bis hin zur Möglichkeit einer gebührenorientierten Stromversorgung durch einen öffentlichen Träger, vergleichbar mit dem Ver- und Entsorgungsverband Adelebsen.

Bis heute gibt es keinen gesetzlich fundierten Plan zur Ausweisung von Windenergieflächen im Bereich der Gemeinde Adelebsen. Das jetzt diskutierte Raumordnungsprogramm des Landkreises Göttingen ist noch nicht abschließend beschlossen. Das bedeutet, dass aktuell noch auf jeder potentiell nutzbaren Fläche Windenergieanlagen gebaut werden können. Um einen Wildwuchs an Windenergieanlagen zu verhindern, haben insbesondere die GRÜNEN im Gemeinderat des Fleckens Adelebsen schon vor einigen Jahren eine entsprechende definitive Raumplanung mit Ausweisung weniger Weißflächen vorangetrieben. Ein entsprechender Beschluss wurde jedoch durch die Neufassung der Raumordnungsplanung auf Landesebene verhindert.

Michael Klinge, Lödingsen

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Warum wir es uns nicht mehr leisten können,
einfach nur dagegen zu sein

Schön finden wir die großen Windräder in der Landschaft auch nicht.
Aber darum kann es allein nicht gehen, denn irgendwo muss der Strom, den wir alle verbrauchen, ja herkommen.

Wenn wir unser Klima – und damit unsere elementarsten Lebensgrundlagen –  ernsthaft retten wollen, dann müssen wir jetzt handeln und haben aus unserer Sicht nur zwei Möglichkeiten:

1. Ausbau regenerativer Energie einschließlich Windkraft

2. Massive Stromeinsparung in allen Bereichen des Lebens und Arbeitens.

Wir denken, dass uns die Begrenzung der Klimaerwärmung nur in Kombination mit beidem gelingen kann und wir dabei als Übergangstechnik grundsätzlich auch den Bau neuer Windkraftanlagen in Kauf nehmen müssen. Solarzellen auf möglichst vielen Dächern und in Plantagen sowie Biogasanlagen werden das auf absehbare Zeit allein nicht schaffen. Würden wir weniger Strom verbrauchen, benötigten wir auch weniger Anlagen.

Weg von einer Verbrauchsgesellschaft hin zu einer Gebrauchsgesellschaft

Nur wenn es uns gelingt, den Weg von einer Verbrauchsgesellschaft hin zu einer Gebrauchsgesellschaft zu gehen, wenn wir es schaffen, unsere alltäglichen Gewohnheiten zu ändern, die Ressourcen der Erde nicht weiter zu verschwenden und unser aller Stromverbrauch erheblich zu senken, kann es für uns eine gute lebenswerte Zukunft geben.

Zum Entwurf eines neuen Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP)

Wenn sich jetzt im Zuge der Entwurfsplanung für ein neues Regionales Raumordnungsprogramm (RROP) Widerstand gegen die mögliche Ausweisung von Vorranggebieten in Adelebsen regt, so ist dabei zu berücksichtigen, dass unabhängig von diesem Entwurf schon seit längerer Zeit zwei Bauanträge für den Bau von Windrädern auf zum Teil anderen als den im RROP- Entwurf vorgeschlagenen Flächen gibt, nämlich am Roten Weg, rechts der Straße Richtung Güntersen.

Hierfür liegt ein positiver Vorbescheid nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImsch) vor. In weiteren Verfahren sind unter anderem aber noch die Belange des Arten- und des Denkmalschutzes zu prüfen (Schutz seltener Tiere und Pflanzen, Beeinträchtigung der Sichtachse zur Burg Adelebsen, …). Diese Begutachtung steht aus.

Ein ungezügeltes Zubauen mit Windrädern in alle Richtungen rund um Adelebsen darf es auch aus unserer Sicht nicht geben. Doch ein grundsätzliches Verweigern nach dem Motto „Überhaupt keine Windräder“ ebenfalls nicht.

Die landschaftsästhetische Argumentation zieht dabei nur wenig – angesichts schon jetzt deutlich spürbarer Wetterveränderungen bei uns. Nach drei trockenen Sommern sieht unser Wald in Adelebsen gleich hinter ‚Koch‘s Linde‘ wegen Kahlschlag auf großen Flächen schon gar nicht mehr wie ein solcher aus.

Auch verstärkte Bemühungen zum Schutz des Rotmilans sowie verfahrenstechnische Kniffe aus der Vergangenheit mit hunderten von ähnlichen oder sogar gleichlautenden Eingaben zur Verzögerung des Abwägungsprozesses sind im Grunde verantwortungslos, da sie augenscheinlich eher als Mittel zum Zweck dienen, statt einer gemeinsam auszuhandelnden Lösung unseres Energie-, Klima- und Ressourcenproblems.

Wenigstens zur Deckung unseres Eigenbedarfs und anteilig auch dem der Stadt Göttingen, auf deren Arbeits- und Dienstleistungsmöglichkeiten wir auch nicht verzichten mögen, sollten wir bereit sein, unseren Beitrag zu einer regenerativen klimaneutralen Stromversorgung zu leisten.

Ein einfaches „Weiter so“ und „Alles soll so weiterlaufen wie bisher“ kann uns dabei nicht helfen.

Andreas Kompart, Adelebsen

PS: Eigentlich müssten wir Menschen sowieso wieder auf die Bäume, damit die Erde sich von unseren ständigen Eingriffen erholen könnte. Es ist schon erschreckend, wie sehr wir sie ausgebeutet und ihr damit zugesetzt haben. Alles haben wollen, was man kriegen kann und am liebsten auch noch mehr als andere – das scheint uns Menschen meist eigen zu sein.

Die weltweite Nachfrage nach natürlichen Ressourcen übersteigt seit 1971 durchgehend das, was unsere Erde regenerieren kann – eine Situation, die es, global betrachtet, in der Menschheitsgeschichte zuvor noch nie gegeben hat. Gegenwärtig bräuchten wir eigentlich anderthalb Erden, um den Verbrauch eines Jahres decken zu können. Dabei sind die Unterschiede zwischen den Staaten und Regionen enorm: Wenn alle Menschen so leben würden, wie wir Europäer, dann wären es drei Erden, wenn alle den Menschen in Nordamerika nacheifern würden, sogar fünf. (Quellen: Umweltbundesamt, Bundeszentrale für politische Bildung)

Wie lange wollen und können wir überhaupt noch so weitermachen?